[...] students need to select the best methods and train with a focused concentration. If you hope to learn such material, you have to practice it with reverence. At the very least, it can strengthen the body, but when used to its fullest, it is a means of defense against attack. If you choose the wrong methods, you will go astray in your training. If you pick an overly fierce style, one that uses excessive hardness, you will break your body down, or if you pick an overly flowing style, one that uses excessive softness, you will not build your body up.

Chen Zhaopi, "General Explanations of Taiji Boxing Fundamentals, 1930
Translation Paul Brennan 2019


Wie trainieren wir?

Solo Praxis

Unser Training besteht aus einem breiten Übungsspektrum und wird zu einem großen Teil solo durchgeführt. Die Soloarbeit besteht aus Aufwärmübungen, Qigong, Drills, Bein- und Schrittarbeit (bu fa), Stehübungen (zhan zhuang, dong zhuang), körperzentrierter Meditation und auch zwei Handformen (yi lu und er lu, erste und zweite Form).
Die erste Form (siehe Video) ist das Herzstück unseres Trainings. Dieser Bewegungsablauf kann als Kompendium von Techniken betrachtet werden, die nach und nach zu erlernen sind. Es ist aber vor allem das Basismaterial des Schülers, um gute Bewegungsgewohnheiten anzunehmen, sowie ein ideales Testfeld für unsere Körpermethode (shenfa). Das Gongfu der Chen-Familie hat strenge und sinnvolle körperliche Anforderungen und Prinzipien, die einfachen Handlungen wie Stehen oder Gehen Tiefe verleihen.
Die zweite Form namens "Kanonenfaust" ist explosiver und wird traditionell (und logischerweise) nach der ersten Form gelernt.

Bei Bedarf und je nach Wunsch des Schülers können Krafttrainingsübungen oder der Einsatz von Gegenständen (Bang, Dagan, Medizinball, Gewichtswesten, Gewichtsmanschetten etc.) empfohlen werden, um besondere Qualitäten zu entwickeln.

Die Arbeit hört nicht auf, wenn der Unterricht endet: Wenn du für dich selbst übst, kannst du das Gelernte wieder aufgreifen und gezielt an bestimmten Aspekten oder Qualitäten arbeiten.
Gerade am Anfang kann regelmäßiges Üben auf eigene Faust einen großen Unterschied machen, was deine Fortschritte angeht. Wenn du dich nur im Unterricht mit neuen Inhalten beschäftigst und sie danach bis zur nächsten Einheit wieder vergisst, fällt es Körper und Geist schwer, sie aufzunehmen und darauf aufzubauen – wie bei jeder Kunst, die du erlernen möchtest, sei es ein Musikinstrument oder eine Sprache. Ein paar Minuten am Tag helfen dir, neue Erkenntnisse präsent zu halten und sie nach und nach in dauerhafte Veränderungen deiner Haltung, deiner Bewegungen und deines Körpergefühls umzusetzen. Dieser Teil des Trainings hängt von deinem eigenen Engagement und deiner Neugier ab

Training mit Partner

Sie umfassen einfache, aber wichtige Übungen, die das Bewusstsein für die eigene strukturelle Stabilität und die Kraftbahnen, die die Kraft unseres Partners mit uns verbinden, entwickeln sollen, aber auch mehr oder weniger komplexe Tuishou-Routinen („Push Hands“/"Schiebende Händen" Patters) sowie Kampfanwendungen („Yongfa“), „Qinna“-Training (Gelenkshebeln) und Kampfübungen, alles Dinge, die tiefer in den Umgang mit der einwirkenden Kraft eintauchen.

Das Schöne am Taiji-Training ist, dass die Solo-Übungen die Partnerarbeit "nähren" und die Partnerübungen wiederum die Solo-Praxis enorm beeinflussen. Man könnte sagen, es ist die Definition eines positiven Kreislaufs!

Was passiert beim Training?

Das Basistraining konzentriert sich erstmal auf Ausrichtung und Koordination in statischer Haltung und in Bewegung. Die Kernübungen (Jibengong) helfen, die notwendige Struktur im gesamten Körper aufzubauen und stimulieren Propriozeption, Stabilität und Konzentration. Allmählich arbeitet man daran, Verbindungen im ganzen Körper zu schaffen, alle Teile langsam zu einem Ganzen zu integrieren und das Körperzentrum (Dantian) als bewegende und treibende Kraft zu entwickeln, was eine notwendige Voraussetzung für Shenfa ist. Ziel ist es, den Körper zu modellieren und trainieren, um
- immer verwurzelt und verbunden zu bleiben,
- Kraft effizient und nachhaltig zu erzeugen,
- mit einer ankommenden Kraft (z. B. der eines Gegners) umzugehen, anstatt sie nur zu erleiden.

Entgegen der landläufigen Meinung geht es beim Üben von Taiji nicht nur um Entspannung. Am Anfang spielt Entspannung eine wichtige Rolle und stellt eine Voraussetzung für die Beweglichkeit der Gelenke dar. Wenn man aber an das eigene Gongfu weiter arbeiten möchte, muss die erlernte Öffnung der Gelenke zu ganzkörperlichen Kräften und einer stets zugbelasteten Gewebestruktur führen. Da darf das Training anstrengender werden und das Konzept von Entspannung erhält eine neue Bedeutung. Also je nach körperlicher Verfassung, Bedürfnissen und Zielen des Schülers kann das Training angepasst werden.

Unser Gongfu besteht zuallererst aus einer körperlichen Methode und nicht aus einer einfachen Techniksammlung. Obwohl sie erlernt werden kann, ohne sie in einem kämpferischen Kontext anwenden zu wollen, ist die Methode nicht abstrakt: unzählige Techniken fließen aus der Methode selbst hervor. Eine Kampfmethode ergänzt die Bewegungsmethode. Mit der Zeit integriert die Praxis die Atemarbeit: die Atmung wird kraftvoll und immer mehr wird es auf die korrekte innere Kraftzüge geachtet. Der Inhalt der Lehre spiegelt das wider, was mir selbst übermittelt wurde (siehe die Abstammungslinie auf der Gongfu Seite).



Warum sollte ich Taiji trainieren?

Die Gründe zum Üben sind Legion!

Da das Training körperlich und erfahrbar ist, kannst du Taiji praktizieren,
- um deinen Körper nachhaltig zu stärken und trainieren,
- um neue Erkenntnisse über Bewegungsmechanik zu gewinnen, neue Bewegungsmuster zu lernen,
- als Kampfkunst, um eine gewisse Kraft, Struktur und Selbstverteidigungsfähigkeiten zu entwickeln, oder einfach
- als "Präventivmedizin", um Knochen, Muskeln, Gelenke, Faszien und anderes Bindegewebe zu pflegen.

Mentale, innere und bewusstseinsbezogene Aspekte sind auch sehr wichtig. Deswegen kannst du auch trainieren,
- um die Aufmerksamkeit zu schulen, den "Affen-Geist" zu zähmen, innere Ruhe und Konzentration zu kultivieren,
- um alte chinesische Konzepte kennenzulernen, die aber heute verwendbar sind oder
- um zu lernen, gelassen zu sein, ohne die Handlungsfähigkeit zu verlieren.
Das Bewusstseinstraining konzentriert sich auf Aufmerksamkeit, Intention/Vorstellungskraft, Entspannung, Atemarbeit, Proprio- und Interozeption.

Manche wollen das Gesamtpaket, und das ist ein lohnendes Ziel. Für viele kann eine solche Praxis auch zu einem persönlichen Ritual werden: eine regelmäßige Beschäftigung, die Disziplin und Charakter stärkt, den Körper gesund hält und den Geist zur Ruhe bringt. Tatsächlich geht es im Taiji vor allem darum, Körper und Geist zu schulen und zu verfeinern, bis beide im Einklang miteinander arbeiten. Wir lernen, die Möglichkeiten beider miteinander zu verbinden und zu nutzen, bis wir erkennen, dass sie eigentlich eins sind. Man spricht von ganzheitlicher Praxis. Mit der Zeit können schließlich auch Training und Leben eins werden.
Taiji hat genug Tiefe, um ein Leben lang zu beschäftigen und es kann ein faszinierender und bereichernder Begleiter werden, den wir immer mit uns tragen.



Alle Fotos, mit Ausnahme des letzten, von Gordon Schirmer